Ostpreußische Lebensläufe
Hans-Jakob von Auerswald, Preuß Oberpräsident. Oberpräsident
Ludwig V. Baczko, Historiker
Adolf von Batocki-Bledau – Oberpräsident
Konrad Burdach, Literaturhistoriker
Julie Burow, Schriftstellerin
Abraham Calovius (Kalau), Theologe
Simon Dach, Dichter
Karl Theophilus Döbbelin, Schauspieler (1727-1793)
Joh. Friedr. Von Domhardt, Oberpräsident
Erich von Drygalski, Geograph
Louis Ehlert – Musikschriftsteller und Komponist
Rudolf Friedrich Glebsch – Mathematiker
Ferdinand Gregorovius – Geschichtsschreiber
Joh. Friedrich Hartknoch, Buchhändler
Walter Heymann – Dichter
David Hilbert – Mathematiker
E.T.A. Hoffmann - Schriftsteller
Adolf Jensen – Komponist
Wilhelm Jordan, Schriftsteller
Rudolf Köpke, Historiker
Gustav Kossinna, Vorgeschichtler
Agnes Miegel - Schriftstellerin
Fritz Milkau, Bibliothekar
Ludwig Passarge – Schriftsteller
Julius Rupp, Theologe
Georg Samarow, Schriftsteller
Ernst von Saucken-Tarputschen, Politiker
Bernhard Schmid, Baumeister
Hermann Settegast, Landwirt
Hermann Sudermann - Schriftsteller
J. Thienemann, Naturforscher
Zacharias Werner
Ernst Wiechert - Schriftsteller
Ernst Wichert – Jurist und Schriftsteller
Michael Willmann, Maler
Daniel Heinrich Arnoldt
Am 12.07.1706 ist er in Königsberg geboren. Er war Schüler des altstädtischen Gymnasiums und studierte in Königsberg Philosophie und Theologie. Durch Abraham Wolff und Lysius kam er in pietistische Kreise und ging nach Halle, wo er seine Studien abschloss. Er wurde bereits 1729 außerordentlicher Professor in Königsberg, von Friedrich Wilhelm I. stark gefördert. Auf dessen Befehl wurde er, der zunächst Adjunkt des mächtigen Fr. A. Schultz gewesen war, zweiter Hofprediger und Ordinarius der Theologie. Später wurde er noch Direktor des Friedrichkollegs und Oberhofprediger. Allgemein bewunderte man seine Haltung während der russischen Okkupation, wo er es verstand, eine befohlene Siegespredigt vor dem russischen Gouverneur abzubrechen. Als Gelehrter war A. hochgeachtet. Noch heute ist seine Geschichte der Königsberger Universität von Bedeutung, wie auch sein Preußisches Kirchenrecht. Er starb am 30.07.1775.
Hans-Jakob von Auerswald, Preuß Oberpräsident. Oberpräsident
Am 03.04.1833 starb auf seinem Gut Faulen in Ostpreußen der langjährige Oberpräsident in Ost- und Westpreußen, Hans-Jakob von Auerswald, der am 25.07.1757 geboren war. An verschiedenen Stellen der staatlichen Verwaltung hat er Hervorragendes geleistet, teils als Landschaftsdirektor in Marienwerder, als Kammerpräsident in Ost- und Westpreußen, schließlich 1808 als Oberpräsident. Auch war er eine Zeitlang Landhofmeister. Besondere Verdienst erwarb er sich als Kurator der Königsberger Universität, deren Reorganisation er maßgebend beeinflusst hat. Im Jahre 1813 folgte er Stein beim Aufruf der ostpreußischen Stände, wodurch er in Gegensatz zur Krone geriet. Sein naher Freund war der Nationalökonom Chr. Kraus, dessen werke er herausgab.
Ludwig V. Baczko, Historiker
Am 08.06.1756 wurde er in Lyck / Ostpr. geboren. Er war von Jugend an gelähmt und seit 1777 erblindet. Trotzdem hat er unendlich viel veröffentlicht, hatte sich auch an der Königsberger Universität habilitiert. Er schrieb eine Geschichte Preußens in sechs Bänden, ein Handbuch der Geschichte, Erdbeschreibungen und Statistik Preußens in drei Bänden. Sehr viel hat er für seine Leidensgefährten, die Blinden, getan, seit 1816 war er Vorsteher des Bülow-Dennewitzschen Blinden-Institutes. Nach seinem Tode, 27.03.1823, erschien seine „Geschichte meines Lebens“ in drei Bänden, nachdem er schon 1807 eine Schrift ähnlicher Arte veröffentlicht hatte: „Über mich selbst und meine Unglücksgefährten, die Blinden“.
Adolf von Batocki-Bledau – Oberpräsident
Am 31.01.1868 wurde er in Bledau bei Königsberg/Pr. geboren. Er hatte in Bonn und Königsberg studiert und nach dem Assessor-Examen die Bewirtschaftung der väterlichen Güter übernommen. Bald aber wurde er Landrat seines Heimatkreises, seit 1907 war er Vorsitzender der ostpreußischen Landwirtschaftskammer. Im August 1914 wurde er zum Oberpräsidenten von Ostpreußen ernannt. Hier hat er das Werk seines Lebens vollbracht: den Wiederaufbau der Provinz nach der russischen Invasion mitten im Kriege. Mit Recht hat man gesagt, dass diese Leistung würdig neben der des ostpreußischen Retablissements durch Friedrich Wilhelm I. steht. Batocki hat viele Ämter bekleidet, er war tätig als Präsident des Berliner Kriegsernährungsamtes, Mitglied des Verwaltungsrates der Reichsbahngesellschaft und des deutschen Landwirtschaftsrates, um nur diese wichtigen von ihm bekleideten Posten zu nennen. Auch war er Honorarprofessor an der Königsberger Universität, deren Kurator er gewesen war. In der Aula der Universität hatte man seine Büste aufgestellt. Er starb auf seinem Gut am 22.05.1944.
Rudolf Borchardt
In Königsberg am 09.06.1877 geboren, besuchte er in Berlin das französische Gymnasium und studierte in Bonn bei Usener, Konrad Burdach, Dilthey, in Göttingen bei Leo vor allem klassische Altertumswissenschaft. Leo hat wohl am stärksten auf ihn gewirkt, aber er wurde in gleicher Weise ausgezeichneter Philologe, wie Philosoph, Dichter und nicht zuletzt Historiker. Man wird ihn einmal als eine der repräsentativsten Gestalten seines Zeitalters ansehen. Wenige haben wie er die Zerrissenheit ihrer Zeit an sich selbst erlebt, wenige wie er in sich zurückgezogen gelebt und in der Produktion fast vulkanisch gewirkt, wenn auch zunächst in kleinem Kreis. Ein Meister der Sprache, steht er in der großen Reihe der schöpferischen Naturen, die der deutsche Osten hervorgebracht hat. Ein Höhepunkt seines vielfältigen Schaffens ist die Rede „Über den Dichter und das Dichterische“ (1924). Vielleicht ist er an seiner sich selbst gestellten Aufgabe gescheitert, immer von neuem wieder auf neuem Gebiet ansetzend, eine von Grund auf humanistische Welt neu zu gestalten versuchend. Wie Hamann war er ein großer Mensch, weit in die Zukunft weisend. Lange lebte er in Italien, fernab von den Menschen seiner Zeit, die er verachten gelernt hatte. Die Welt der Form, das Prinzip der Ordnung hat ihn, den Ostdeutschen, sein Leben lang bewegt und zu tiefsinnigsten Gestaltungen geführt, ähnlich wie Hofmannsthal, mit dem ihn herzliche Freundschaft verband, ähnlich aber in seinem Wollen auch Marées. Er starb am 10.01.1945.
Leopold Hermann Ludwig von Boyen
Am 20.06.1771 ist er in Creuzberg /Ostpr. geboren. Bereits 1784 trat er in die Armee ein, war Schüler der Kriegsschule in Königsberg, an der er Vorlesungen Kants hörte. Die hier gewonnenen Eindrücke haben ihn Zeit seines Lebens begleitet, und der Geist Kants steht hinter seinem Lebenswerk. Im polnischen Feldzug von 1794 -1796 war er Adjutant des Generals von Günther. Nach dem Zusammenbruch Preußens wurde er Mitglied der Reorganisationskommission unter Scharnhorst. Beiden Männern hat er späterhin bedeutsame Schriften gewidmet. In allen wichtigen militärischen Operationen der Jahre 1806 – 1814 steht Boyen an entscheidenden Stellen des Geschehens. 1819 nahm er den Abschied, als er den Charakter der Landwehr in ihrem inneren Aufbau gefährdet sah, wie er überhaupt der sich entwickelnden Reaktion nicht gewachsen fühlte, er stand ja nicht allein damit unter den Männern, die den Neuaufbau des preußischen Staates bewerkstelligt hatten. 21 Jahre lebt er im Ruhestand. 1841 rief ihn Friedrich Wilhelm IV. an die Spitze des Kriegsministeriums, das er bis 1847 leitete, er wurde zum Feldmarschall ernannt und Gouverneur des Invalidenhauses. Der König gab ihm zu Ehren der Festung Lötzen seinen Namen. Am 15.02.1848 ist er gestorben.
Alfred Brust
Am 18.09.1934 starb in Königsberg der am 15.06.1891 geborene Dichter. Er widmete sich frühzeitig dem journalistischen Beruf. Nach der Teilnahme am ersten Weltkrieg lebte er in Heydekrug, Cranz und Königsberg als freier Schriftsteller. Sein Schrifttum zeichnet sich vor allem durch ein lebendiges Bekenntnis zu altem pruzzischen Geist aus. Mit Recht hat man von ihm gesagt, dass in seinen zahlreichen Werken östliche Geisteselemente einen starken Niederschlag finden neben ebenso kräftig vertretenen Überzeugungen, die der abendländischen Welt entstammen. So ist Dehmels Wort sicher richtig, wenn er sagt, Brust habe versucht, die Anschauungen Luthers mit denen Dostojewskis zu verbinden. Er schrieb Romane und Dramen, auch Gedichte. Am charakteristischsten vielleicht sein Ostpreußenbuch "Die verlorene Erde“. In manchem, auch in der Lebensführung, erinnert Brust an A. Dulk.
Konrad Burdach, Literaturhistoriker
Am 18.06.1936 ist der am 29.05.1859 in Königsberg geborene Literaturhistoriker in Berlin gestorben. Nach einer akademischen Lehrtätigkeit in Halle wurde er 1902 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, um ganz seinen Forschungen leben zu können. Hervorragendes leistete er in der Erforschung des Minnesangs und Goethes. Faust und der westöstliche Divan sind von ihm auf das Gründlichste hinsichtlich ihres Verständnisses gefördert worden. Seine größte Leistung besteht auf dem Gebiet der neuhochdeutschen Schriftsprache. Die Sprachgeschichte ist ihm Geistesgeschichte. Er hat diesem Forschungsgebiet ein mehrbändiges Werk gewidmet: „Vom Mittelalter zur Reformation“. Es ist sein Verdienst, dass er den ostdeutschen Einfluss auf die Gesamtentwicklung der deutschen Geistesgeschichte in das hellste Licht rückte. Der Hof Karls IV in Prag stand im Mittelpunkt dieser weit angelegten Arbeiten. Auch die Geschichte seiner Wissenschaft hat ihn mehrfach beschäftigt, so vor allem die Beziehungen der Brüder Grimm zu Karl Lachmann, der auch in Königsberg gewirkt hatte.
Julie Burow, Schriftstellerin
Am 24.02.1806 ist sie in Kydullen (Ostpreußen) geboren. Zu ihrer Zeit war sie sehr bekannt und geschätzt. Sie heiratete 1830 den Architekten Pfannenschmidt in Danzig, mit dem sie später nach Bromberg übersiedelte, wo sie am 19. Februar 1868 gestorben ist. Julie Burow war eine ungemein fruchtbare Schriftstellerin, die den realistischen Geschmack ihrer Zeit traf. Am bekanntesten wurden ihre Erzählungen „Frauenlos“, „Arzt in einer kleinen Stadt“, „Das Pfarrhaus in Rothanger“ (preisgekrönt). Große Auflagen haben ihre Anthologien aus der deutschen Dichtung und die Sprüche für das weibliche Leben erreicht. Auch schrieb sie eine Selbstbiographie..
Abraham Calovius (Kalau), Theologe
Am 16.04.1612 ist er in Mohrungen / Ostpr. Geboren, dem Geburtsort Herders. Er ist der Repräsentant des orthodoxen Luthertums im 17. Jahrhundert. 1637 wurde er außerordentlicher Professor in Königsberg und gehörte dort zum Freundeskreis des Dichters Simon Dach. Calovius hatte starke philosophische Interessen, sein Gegensatz zu den von der preußischen Regierung bevorzugten Synkretisten, dem er schroffsten Ausdruck zu geben wusste, veranlasste ihn schließlich, nach Wittenberg zu gehen, wo er von 1650 – 1686 gewirkt hat als anerkanntes Haupt der Orthodoxie. In Königsberg hatte man niemals die Hoffnung aufgegeben, ihn wieder zurückzugewinnen, denn er wäre als Gegner der Synkretisten der Regierung hochwillkommen gewesen. Zweifelsohne war er ein sehr bedeutender Gelehrter, der seine Befähigung in vielen Schriften unter Beweis gestellt hatte , aber seine streitbare Art machte ihn für Preußen untragbar. Sein Wüten in Wittenberg aus führte schließlich zu einem Verbot an die preußischen Studenten, an dieser Universität zu studieren. Er starb am 28.02.1686.
Lovis CorinthLovis Corinth
Am 15.07.1925 starb der berühmte Maler, der am 21.07.1858 in Tapiau als Sohn eines Lohgerbers geboren war. 1866 kam C. auf das Kneiphöfsche Gymnasium nach Königsberg, 1876 auf die Malerakademie, wo Trossin, Günther und Heydeck seine Lehrer waren. Seit 1880 studierte er in München, vor allem bei Defregger. Die folgenden Jahre sind seine Wanderjahre, Paris, Königsberg, München, Berlin wechseln miteinander ab, bis er sich 1900 dauernd in Berlin niederlässt; von hier aus unternimmt er viele Reisen. Er wird Professor, Ehrenbürger von Tapiau, Ehrendoktor der Albertina. Corinth ist einer der Führer des Impressionismus, wohl der bedeutendste Künstler seiner Generation. Immer stärker tritt in seine Kunst die Freude an der Farbe hervor, vor allem an seiner Behandlung des menschlichen Aktes sich erweisend. Später wendet er sich auch dem Porträt, dem Stilleben zu; auch hier leistet er Bedeutendes, wie in der Graphik. Von Wichtigkeit ist seine Autobiographie.
Simon Dach, Dichter
Er wurde am 29.07.1605 in Memel als Sohn eines Tolke (Dolmetscher) geboren. Schon in jungen Jahren ist er viel herumgekommen, besuchte die Schulen in Königsberg, Wittenberg und Magdeburg, bis er 1626 in Königsberg Student wurde. 1639 wird er Professor an der Universität. Früh tritt er mit eigenen Dichtungen hervor und wird der Mittelpunkt eines um H. Albert sich sammelnden Kreises, der nach Art italienischer Akademien sich poetischen Übungen widmete. In Alberts „Kürbishütte“ kam man gern zusammen und nannte sich nach diesem Versammlungsplatz. Dachs Dichtung ist vorwiegend Gelegenheitsdichtung, aber er findet neue Töne, seiner warmherzigen Natur weiß er vielfach Ausdruck zu geben. Zum 100jährigen Jubiläum der Königsberger Universität schrieb er ein Schaustück (Sorbuisa-Borussia). Er starb am 19.04.1659.
Heinrich Eduard Dirksen
In Königsberg am 13.09.1790 geboren, wirkte er seit 1812 als Professor an der Albertina, wo er dem modernen Geist der Rechtswissenschaft im Sinne Thibauts und Savignys gegen z. T. erhebliche Widerstände eine Stätte schuf. Sein Hauptarbeitsgebiet war die römische Rechtsgeschichte, er arbeitete viel an in Königsberg befindlichen Justinian-Handschriften. Indes haben ihn die schlechten Königsberger Bibliotheksverhältnisse vertrieben. Er ging schon 1829 nach Berlin, seine Hoffnung, an der dortigen Universität Fuß zu fassen, erfüllte sich nicht. So lebte er ganz der wissenschaftlichen Arbeit. Sein Hauptwerk war der juristischen Lexikographie gewidmet (1837 – 1839). Nach seinem Tod (10. 02. 1868) gab sein Schüler Sanio seine Schriften in zwei Bänden heraus (1871).
Karl Theophilus Döbbelin, Schauspieler
Am 27.04.1727 ist er in Königsberg geboren. Als Student in Halle in eine Unruhe verwickelt, musste er fliehen und trat in die Theatergesellschaft der Neuberin ein. Seitdem führte er das Leben eines stets auf Wanderschaft befindlichen Schauspielers. Längere Zeit war er bei Ackermann, dann bei Schuch. 1775 gründete er in Berlin eine eigene Gesellschaft, aus der sich später das Berliner Hoftheater entwickelte. Hier hat der 1783 Lessings Nathan zum ersten Mal aufgeführt, wie er 1772 die Emilia Galotti in Braunschweig zur ersten Aufführung gebracht hatte. Er starb am 10.12.1793 in Berlin, er ist Stammvater einer weitverzweigten Schauspielerfamilie geworden. In der Geschichte der Schauspielkunst gebührt ihm ein besonderer Platz, indem er mit Erfolg einen gereinigten Stil dieser Kunst zum Durchbruch verhalt.
Joh. Friedr. Von Domhardt, Oberpräsident
Am 20.09.1781 starb er in Königsberg /Pr. , der in Allrode am Harz am 13.09.1712 geboren war. Schon in der Schulzeit kam er nach Preußen, war Gutspächter und wurde von Friedrich dem Großen zum Kriegs- und Domänenrat in Königsberg, anschließend in Gumbinnen, ernannt. Hier organisierte er das Gestüt Trakehnen in vorbildlicher Weise. Im siebenjährigen Krieg erwarb er sich hervorragende Verdienste um die Erhaltung der Provinz trotz der russischen Besetzung, er versorgte sogar den König auf geheimen Wegen mit Geld und Getreide. Nach dem Kriege machte er sich sehr verdient um den Wiederaufbau Ostpreußens. Als Westpreußen 1772 zu Ostpreußen kam, erweiterte sich sein Aufgabenkreis, er wurde zum Oberpräsidenten über alle ost- und westpreußischen Kammern ernannt. Die Gunst des Königs hatte er sich stets erhalten können, obwohl sein Verhältnis zu ihm nicht ohne Schwankungen blieb.
Erich von Drygalski, Geograph
Er wurde am 09.02.1865 in Königsberg geboren und starb am 10.01.1949 in München. Von früher Zeit an verband er mit den geographischen Studien sehr ausgedehnte Arbeiten auf dem Gebiet der Geophysik. Dadurch wurde er in den Stand gesetzt zu seinen epochemachenden Entdeckungen in der Arktis und Antarktis. Zwei große Expeditionen hat er geleitet. Die Grönland-Expedition im Jahre 1897 und die deutsche Südpolar-Expedition von 1901 bis 1903. Auf der Insel Südgeorgien nannte man einen Fjord nach ihm, ebenso eine Insel beim Kaiser-Wilhelm-Land. Die Ergebnisse der großen Südpolar-Expedition hat er unter Heranziehung verschiedener Mitarbeiter in 20 Bänden und zwei Atlanten veröffentlicht. Die Herausgabe dieses großen Werkes zog sich bis 1931 hin. Seit 1906 war Drygalski Professor in München.
Louis Ehlert – Musikschriftsteller und Komponist
Am 13.01.1825 ist er in Königsberg/Pr. geboren. Zunächst war er Kaufmann, gab diesen Beruf aber bald auf, um sich in Leipzig, Berlin und Wien dem Studium der Musik zu widmen. Seine Kompositionen, meist Lieder und Klavierwerke, sind heute kaum noch bekannt, wohl aber besitzen seine musikkritischen Aufsätze noch in der Gegenwart ihren Wert, als Muster musikästhetischer Analysen. In der Deutschen Rundschau hat er viele Berichte gegeben. Sehr angesehen waren seine Essaybände „Aus der Tonwelt“, „Römische Tage“, die z. T. mehrere Auflagen erlebten. Ehlert war einer der ersten, welche eine tiefgreifende Abhandlung über Richard Wagners Parzival anlässlich seiner ersten Aufführung in Bayreuth schrieb. Er starb in Wiesbaden am 04.01.1884.
Ludwig Friedländer
Am 16.07.1824 ist der langjährige Vertreter der klassischen Philologie in Königsberg, Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Königsberg, geboren. Er war Schüler des Friedrich- Collegs, noch unter Gotthold. Lehrs, dem er später im Universitätsamt folgte, war damals sein Lehrer. Ihm verdankt er auch neben Lobeck seine akademische Ausbildung. Die Haupteindrücke gewann er freilich in Leipzig bei Gottfried Hermann. Von früh an interessiert ihn Sitten- und Kulturgeschichte. 1847 habilitiert er sich in Königsberg für klassische Philologie, er vertrat das gesamte Gebiet, auch die Archäologie, der er sich besonders widmete. Eine Reise in Italien brachte ihm die ersehnte Anschauung der antiken Kunst, aber auch die Kenntnis von Land und Volk seiner Zeit. Von 1858 – 1892 war Friedländer Ordinarius in Königsberg. Wie Lobeck war er Professor der Eloquenz und hielt als solcher die repräsentativen Reden der Universität an Königs Geburtstag oder auch bei Kantfeiern. Von 1869 – 1892 war er Vertreter der Universität im Herrenhaus. Sein Hauptwerk ist die Kultur- und Sittengeschichte Roms zur Kaiserzeit, die ihm aus einer großen Anzahl kleinerer Studien im Laufe der Jahre zusammenwuchs. Es hat 8 Auflagen erlebt und ist in viele fremde Sprachen übersetzt. Man stellte das groß angelegte Werk in vier Bänden neben J. Burckhardts Kultur der Renaissance. Aber dieser Vergleich wird keinem der beiden Bücher gerecht. Neben dem Hauptwerk hat Friedländer sich viel mit der Religion der Griechen befasst. Seinen Lebensabend verbrachte F. in Straßburg, wo er auch noch Vorlesungen gehalten hat; er war seinem Schwiegersohn Georg Dehio dorthin gefolgt. Am 16.12.1909 ist Ludwig Friedländer gestorben.
Richard Friese
Am 15.12.1854 wurde er in Gumbinnen geboren. Er hat sich vor allem als Tiermaler einen Namen gemacht, hier wiederum bevorzugte er die Wildtiere, die besten Bilder von Löwen stammen von seiner Hand. Manch eines der großen Museen hat solche Werke von ihm erworben. Aber er schuf auch viele Bilder in seiner engeren Heimat, hier genießen seine Elchbilder besonderes Ansehen. Friese erhielt seine Ausbildung an der Berliner Akademie, 1896 wurde er zum Professor ernannt. Er starb am 29.06.1917 in Zwischenahn.
Rudolf Friedrich Glebsch – Mathematiker
Am 19.01.1833 ist er in Königsberg/Pr. geboren. Er unterrichtete nach dem Studium in Berlin an verschiedenen Schulen und habilitierte sich 1858 an der Universität für mathematische Physik. Bereits im folgenden Jahre nahm er einen Ruf auf einen Karlsruher Lehrstuhl an. 1863 ging er nach Gießen. 1868 nach Göttingen als Nachfolger des früh verschiedenen B. Riemann, der noch unmittelbarer Schüler von Gauß gewesen war. Aber auch Clebsch sollte diesen bedeutenden Lehrstuhl nicht lange bekleiden. Am 07.11.1872 starb er als Prorektor der Universität, für seine Wissenschaft ein großer Verlust, hatte er doch ganz in der von Gauß bestimmten Linie fortgearbeitet. Seine bedeutendsten Arbeiten galten der Theorie der Abelschen Funktionen und Theorie der binären algebraischen Formen. Mit dem Königsberger Neumann begründet er die Mathematischen Annalen. Unter ihm hatte sich in Göttingen Felix Klein habilitiert.
Colmar Freiherr von der Goltz-Pascha
Am 12.08.1843 ist auf einem Gut bei Labiau (Ostpr.) der preußische Generalfeldmarschall und türkische Pascha Colmar Freiherr von der Goltz-Pascha geboren, eine der bedeutendsten Gestalten des preußischen Heerwesens, wenn er auch oft genug den allgemeinen Ansichten entgegenstand. Seine militärische Laufbahn war glänzend; vorwiegend hat er sich mit den Fragen der militärischen Ausbildung und mit kriegsgeschichtlichen Problemen befasst. Sein Name wurde vor allem durch seine Tätigkeit als Reorganisator der türkischen Armee bekannt. Im ersten Weltkrieg war er Führer der ersten türkischen Armee; es gelang ihm auch, die Engländer bei Kut el Amara einzuschließen. Von seinen zahlreichen Schriften waren die Bücher „Das Volk in Waffen“ und „Von Roßbach bis Jena“ sehr bekannt geworden. Am 19.04.1916 ist er in Bagdad gestorben.
Johann Christoph Gottsched
Am 12.12.1766 starb er in Leipzig, der am 02.02.1700 in Juditten bei Königsberg/Pr. geboren war. Er steht in der Reihe der großen Ost-deutschen, welche von den Prager Deutschen bis hin zu Rudolf Borchardt die deutsche Sprachentwicklung schöpferisch beeinflusst haben. Gottsched hatte in Königsberg studiert, musste aber vor den Königlichen Werbern fliehen, er ging nach Leipzig, wo er sich für die schönen Künste habilitierte. 1726 gründete er dort die „Deutsche Gesellschaft“, welche die Literatur der Zeit bald beherrschte. Die Gesellschaft fand in verschiedenen Städten Nachahmung. Gottsched galt bald als erste Autorität in literarischen Dingen, bis ihm die Schweizer dieser Führung streitig machten. Sein Ruhm schwand endgültig dahin als er – völlig verblendet – Streit mit Klopstock und Lessing begann. Es kann aber kein Zweifel darüber bestehen, dass Gottscheds Verdienst groß ist, indem er in gesunder Weise französische und englische Kunst als Vorbild erkannte. Seine Zeitschriften aus der Leipziger Frühzeit geben davon Zeugnis. Allein es fehlte ihm so gut wie alles, was eine dichterische Persönlichkeit ausmacht. Seine Stücke sind gewiss exakt nach den Vorschriften dramatischer Kunstfertigkeit gearbeitet, aber tödlich langweilig. Seine „Deutsche Schaubühne nach den Regeln der alten Griechen und Römer“ gab eine Sammlung von Musterdramen. Gottsched verfasste auch eine Reihe von Lehrbüchern, außerdem übersetzte er das große Baylesche Lexikon ins Deutsche.
Ferdinand Gregorovius – Geschichtsschreiber
Am 19.01.1821 in Neidenburg / Ostpr. geboren, war er zunächst Schüler des Gumbinner Gymnasiums und studierte in Königsberg Theologie und Philosophie, später Geschichte. Ein Versuch, an der Universität Fuß zu fassen, mißlang. Zunächst veröffentlichte er dichterische Schriften, schrieb ein Buch über Goethes Wilhelm Meister in seinen sozialistischen Elementen und das aufsehenerregende Werk: Die Idee des Polentums. 1852 ging Gregorovius nach Italien. Nachdem er sich schon vorher mit italienischen Problemen befasst hatte, widmete er sich in den nachfolgenden Jahrzehnten ganz der italienischen Geschichte und Landeskunde. So erschien bereits 1854 das Werk über Corsica, 1868 sein Capri-Buch, 1857 die Studie über die Grabmäler der Päpste. Im Mittelpunkt stand das achtbändige Werk über die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. Das Buch ist das Hauptwerk G.‘s, von dem man mit Recht sagt, dass es fast wie ein Epos wirkt und bis in die Gegenwart lebendig ist. Viele Auflagen hat es erlebt. Ähnliche Wirkungen riefen seine Wanderjahre in Italien (5 Bände) hervor, das sind Reisebriefe, die seine Fähigkeit, Naturschilderung mit geschichtlicher Betrachtung zu einer charakteristischen Einheit zu verbinden, hervorheben. Im Alter schrieb er eine Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter, auch die Geschichte der byzantinischen Kaiserin Athenais. Er starb in München am 01.09.1891.
Otto Friedrich von der Groeben.
Er wurde in Napratten (Krs. Heilsberg) am 06.04.1656 geboren, Nach der zum großen Teil in Rössel verbrachten Schulzeit begleitet er einen polnischen Offizier auf eine Reise nach Italien und Malta, wurde in einem, Gefecht mit Seeräubern verwundet, kam schließlich noch bis Ägypten. Nach der Rückkehr lebte er am Berliner Hof des Großen Kurfürsten. Dieser beauftragte ihn, mit zwei Fregatten ach Angola und möglichst nach Amerika zu fahren. An der Goldküste hißte er die brandenburgische Flagge und begründetet das Fort Groß-Friedrichsburg. Nach der Heimkehr ließ er sich in Riesenburg nieder, beteiligte sich aber bald am venezianischen Krieg gegen die Türken. Endlich zog er sich auf seine Besitzungen in Preußen zurück und verfasste in seinen Mußestunden die beiden berühmt gewordenen Reisebeschreibungen. Sie sind noch heute eine wichtige Quelle für die Kolonialgeschichte, weil sie sich als vorzüglich in der Beobachtung erwiesen haben. Er starb am 30.04.1728.
Simon Grunau
Um 1470 wurde der Dominikanermönch und durch seine Preußenchronik bekanntgewordene in Tolkemit (Ostpr.) geboren. Er hat in seinem Werk auf den Vorgängern Peter von Dusburg Posilge u. A. aufgebaut. Gelehrter war er nicht, er hatte weder Beziehungen zum Orden noch zur Reformation, indes stand er den unteren Volksschichten nahe. Dies erklärt auch die große Volkstümlichkeit seines Buches. Mit der geschichtlichen Wahrheit der von ihm geschilderten Vorgänge nimmt er es nicht sehr genau. Das hat man aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bemerkt. Wenn man ihm deshalb auch wissenschaftlichen Wert absprach, so bleibt ihm doch das Verdienst, einen ungemein eindrucksvollen Einblick in Wesen und Leben des Volkes vermittelt zu haben. Er starb um 1531.
Karl Gottfried Hagen
Am 24.12.1749 ist er in Königsberg/Pr. geboren, wo er am 02.03.1829 verstarb. Über 50 Jahre gehörte er der Philosophischen Fakultät der Albertus-Universität an. Ausgehend von der Pharmazie hatte er sich bald in die weiteren naturwissenschaftlichen Fächer verbreitet, vor allem in die Chemie, aber auch in Physik und Mineralogie. Sein Lehrbuch der Chemie hat Kant als ein Meisterwerk der Logik bezeichnet. Wirkungsvoller wurde noch sein Lehrbuch der Apothekerkunst, das wie das Werk über die Chemie mehrere Auflagen erlebte. Hagen ist der Begründer der wissenschaftlichen Pharmazie. Er hat auch den botanischen Garten der Universität eingerichtet. Er hat eine große literarische Tätigkeit entfaltet.
Joh. Friedrich Hartknoch, Buchhändler
Am 28.09.1740 ist er in Goldap geboren. Er studierte in Königsberg Theologie und Rechtswissenschaft, trat aber bald in Kanters Buchhandlung ein. Für einige Zeit blieb er in Königsberg, ging 1762 nach Mitau, 1767 nach Riga, wo er gelöst von Kanter seinen schon in Mitau vorbereiteten Verlag eröffnete. Hier erschienen dann die Schriften von Kant, Hamann und Herder, aber auch die Arbeiten anderer, wie Klinger, Knigge usw. Er veranlasste auch Übersetzungen aus der russischen Literatur. Hartknoch verstand es, sich bald hohes Ansehen zu verschaffen, um Verkehr mit seinen Autoren, besonders mit Herder, erwies er sich als sehr geduldig. Er starb in Riga am 12.04.1789.
Joh. Gottfried Herder
Am 25.08.1744 in Mohrungen geboren, ist er einer der großen Ostpreußen, deren gewaltiger Einfluss auf die Deutsche Welt und darüber hinaus schwer zu überschätzen ist. Viele haben sich auf ihn und seine Lehre berufen. Er hat zuerst dem modernen geschichtlichen Sinn Worte verliehen; im Zusammenhang damit ist er der Erwecker dessen, was man den Volksgeist genannt hat. Man machte Herder zum Vater des modernen Nationalismus. Endlich hat er seinen großen Freundeskreis fast im entgegengesetzten Lager, indem man in ihm einen der Begründer der an antikem Wesen geschulten Lehre von der Humanität verehrt. Sein äußeres Leben hat er in der vorgeschriebenen Bahn des Theologen verbracht. Mit den Großen seiner Zeit stand er in Beziehungen, die freilich fast ausnahmslos in Irrungen endeten. Der begeisterte Schüler Kants sah am Ende seines Lebens und schon früher im Lehrer einen scharfen Gegner. Goethe, der jüngere Freund, der ihn in die große Stellung des Weimarer Generalsuperintendenten gebracht und seinem Leben den festen Boden unterstellt hatte, war ihm schließlich zum Gegenstand des Neides geworden. Dem Gelehrten Herder wurde nach seiner Auffassung nicht die verdiente Anerkennung zu Teil. Alles aber, was dieses große Dasein verdüsterte, hatte wohl seinen Ursprung in einer nicht hinreichenden Formkraft des Trägers dieses Lebens, das des gewaltigen Ideenreichtums nicht Herr geworden ist. Das Erbe des Ostens, das dieser Mann in sich trug, hat ihm selbst wohl die Seele verdunkelt, aber es strömte durch ihn hindurch seinem Volk zum Segen und zur Erweckung. Er starb am 18.12.1803.
Walter Heymann – Dichter
Am 09.01.1915 ist er vor Soissons gefallen. Von Haus aus war er Jurist, ist aber früh mit bedeutendem lyrischen Können hervorgetreten. „Nehrungsbilder“, „Hochdüne“ sind die bekanntesten seiner Bücher. Sein Nachlass barg noch eine Fülle von unveröffentlichten Dichtungen, die später in vier Bänden erschienen. Mit dieser starken künstlerischen Begabung verband er ein großes wissenschaftliches Interesse an der Sprache, den großen Vorbildern seiner ostpreußischen Heimat verwandt. Der Weg von hier zur kritischen Besinnung über Ursprung und Wesen des Künstlerischen war nicht weit, aus diesem Bemühen erwuchs das Buch über Pechstein. Er stammte aus Königsberg, wo er am 19.05.1882 geboren war.
David Hilbert – Mathematiker
Er entstammte einer preußischen Familie, die zur Zeit Friedrichs d. Gr. in Königsberg eingewandert war. Hilbert besuchte zunächst das Friedrich- Colleg und studierte bis auf ein Semester an der Albertina bei Heinrich Weber und F. Lindemann, eng verbunden mit Minkowski und Hurwitz. Damit kam er in die Riemann- Kleinsche und die Weierstrassche Richtung der Mathematik. Durch Kronecker wurde er auf axiomatische Probleme geführt, die ihn später fast ganz erfüllen sollten. Nach der Promotion folgten Studienjahre in Leipzig und Paris und die Habilitation in Königsberg. 1892 ao. Professor ebendort, 1893 Ordinariat. 1895 ging er nach Göttingen, wo er bis zum Tode (1943) blieb. Von der Invariantentheorie wandte er sich jetzt der Zahlentheorie zu. Die wichtigste Arbeit Hilberts erschien 1899 zur Einweihung des Gauß-Weber-Denkmals: Die Grundlagen der Geometrie, ein Buch, das seinem Verfasser Weltruf brachte und die große Zeit der Hilbertschen Forschung und seiner Schule eröffnete, von Althoff verständnisvoll unterstützt. Die Axiomatischen Probleme wurden bis weit in die Naturwissenschaften und in die Philosophie hineingetragen, vor allem in die Physik (Quantenmechanik). Hilbert war einer der ganz wenigen Ehrenbürger der Stadt Königsberg, in der er am 23.01.1862 geboren war. Er starb in Göttingen am 14.02.1943.
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann,
geboren am 24.01.1776 in Königsberg / Ostpreußen; gestorben am 25.07.1822 in Berlin.
Sein Vater war Advokat. Nach dem Gymnasium in Königsberg studierte er von 1792-1795 Jura. Als Referendar arbeitete er 1796 in Glogau und 1798 in Berlin. Ab 1800 arbeitete er als Assessor in Posen, wurde strafversetzt nach Plozk in Polen. Etwa 1805 zog er nach Berlin, wo sich seine Begabung als Musiker, Zeichner und Schriftsteller vollends entwickeln konnte. Ab 1814 war er wieder am Kammergericht in Berlin angestellt. Hoffmann starb am 25.6.1822 in Berlin.
Günter von Hünefeld
Am 05.02.1929 starb in Berlin der am 01.05.1892 in Königsberg/Pr. geborene Ehrenfried Günter von Hünefeld, der zusammen mit Kohl und Fitzmaurice auf einer Junkersmaschine den ersten Flug über den atlantischen Ozean durchführte. Hünefeld entstammte einer preußischen Offiziersfamilie, hatte selbst aber nur Neigung zu literarischen Problemen, vor allem wenn diese mit dem Theater zusammenhingen. Seine Mutter kam aus jüdischen Kreisen. Im Weltkrieg schwerverwundet widmete er sich einer konsularischen Tätigkeit und trag nach dem Kriege beim Norddeutschen Lloyd ein. Aber schwere Krankheit zwang ihn immer wieder dawider. Eine ganze Reihe poetischer Werke erscheint. Vor allem aber stellt er seine gefesselten Kräfte jetzt fast ganz der Politik zur Verfügung. Aus seinen politischen Überlegungen kommt er nun auch zur Idee des Ozeanfluges, die für ihn ein nationales, aber auch ein weltpolitisches Problem darstellte. Charakteristisch ist für ihn das Wort, das er in einer Metropolitan-Oper sagt, „es ist der sportliche Geist, der die Welt beherrscht, der Geist der Humanität, der Geist des Völkerfriedens und der Völkerversöhnung.“ Er unternahm noch den berühmten Ostasienflug. Aber bald danach erlag er der tückischen Krankheit.
Adolf Jensen – Komponist
Am 12.01.1837 ist er in Königsberg/Pr. geboren. Seine Ausbildung verdankte er vor allem dem Königsberger Louis Ehlert. Sehr bald trat er mit eignen Kompositionen an die Öffentlichkeit. In Kopenhagen bewirkte die Begegnung mit Niels Gade die Vollendung seiner Künstlerschaft. Bis 1866 hat er dann in Königsberg gewirkt, von da an in Berlin, bei Tausig in dessen Klavierschule, sodann in Dresden, Graz, Baden-Baden, wo er infolge eines Brustleidens schon am 23. 01. 1879 starb. Unter seinen Kompositionen ragen vor allem seine Lieder hervor, welche sich in der Nachbarschaft der Schumannschen in vollem Maße behaupten. Auch Jensens Klavierkompositionen haben ihren Ruf bis zum heutigen Tage nicht eingebüßt.
Wilhelm Jordan, Schriftsteller
Am 25.06.1904 starb er in Frankfurt/Main, der am 08.02.1819 in Insterburg geboren war. Er hatte in Königsberg studiert und dort besonders den Einfluss Karl Rosenkranz‘ erfahren. Vorübergehend war er (1848) Ministerialrat in der Marineabteilung des Reichsministeriums für Handel in Frankfurt, wo er bis zu seinem Lebensende blieb, obwohl er seine hohe Stellung infolge der Versteigerung der deutschen Bundesflotte sehr bald verlor. Jordan hat unendlich viel geschrieben, am bekanntesten wohl seine Gedanken-Dichtung Demiourgos, eine Art Faust-Dichtung. Seit 1865 hat Jordan seine Tätigkeit als wandernder Rhapsode begonnen und dabei aus seiner Umdichtung der Nibelungensage zweifelsohne eine große Wirkung ausgeübt. Das Anliegen, das seine Reisen und Vorträge veranlasste, war der Versuch, das altdeutsche Epos wiederzubeleben. Seine „Nibelunge“, in Stabreimen gedichtet, hat er auch veröffentlicht, das Werk hat viele Auflagen erlebt.
Immanuel Kant
Am 12.02.1804 starb er in Königsberg/Pr, wo er am 22.04.1724 geboren war. Er ist der größte deutsche Philosoph. Seine Lehre ist der Kritizismus, seine Philosophie bezeichnete er selbst als Transzendentalphilosophie. Nicht nur in Deutschland, sondern in der Welt hat er umwälzend gewirkt. Er hat die Heimat Ostpreußen niemals verlassen, wie alle großen Lehrer der Menschheit ihre tiefste Kraft aus dem heimatlichen Boden gewonnen haben und ihn nie verließen, wie Jesus, Sokrates, Buddha, Konfuzius. In dieser historischen Tatsache liegt der eigentliche Sinn des Heimatgedankens verankert, und sie sollte für ewige Zeiten den Menschen eine Lehr sein. Kants Hauptwerke sind die drei Kritiken, durch die er dem menschlichen Erkennen unüberschreitbare Grenzen zog. Die Vollendung seines großartigen Gedankenwerkes ist ihm versagt geblieben.
Rudolf Köpke, Historiker
Am 23.08.1813 ist er in Königsberg/Pr. Geboren und kam frühzeitig nach Berlin. Zunächst war er wie sein Vater Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium, wurde dann bald Mitarbeiter an den von Pertz geleiteten Monumenta Germaniae, in denen er eine Reihe guter Textausgaben veranstaltete. Er gehörte zu den ersten Schülern Leopold Rankes zusammen mit G. Waitz, Giesebrecht, P. Hirsch. Seit 1846 war er Privatdozent, seit 1856 außerordentlicher Professor der Geschichte an der Berliner Universität, zugleich Lehrer der Geschichte an der Kriegsakademie. In den Jahren 1848 – 51 entfaltete er eine nachhaltige politische Tätigkeit, besonders trat er 1866 publizistisch hervor, seine Schrift über das Ende der Kleinstaaterei wurde viel beachtet. Seine wissenschaftlichen Arbeiten waren vorwiegend der mittelalterlichen Geschichte gewidmet. Allgemeiner bekannt wurde sein Buch über die Gründung der Universität Berlin. Am 10.06.1870 ist Köpke gestorben.
Käthe Kollwitz
Die Künstlerin ist am 08.07.1867 in Königsberg geboren. In ihrer tiefen Kunst verkörpert sie wie wenige ostdeutsches, ostpreußisches Wesen. Als bildende Künstlerin ist sie vielleicht die einzige ihrer Art. Verwandte Geister trifft man wohl im Bereich der Literatur. Von den Zeitgenossen steht ihr Ernst Wiechert am nächsten. Sie ist die Enkelin des freireligiösen Predigers Julius Rupp aus Königsberg. Käthe Kollwitz ist die Malerin menschlichen Leids, die Malerin der Armut und der Not, in Kern der Auffassung wohl Heinrich Zille nahe stehend, wenn auch keineswegs in der künstlerischen Formgebung. Sie ist Schülerin Max Klingers, ging aber bald eigene Wege. Die stärksten Anregungen empfing sie aus der Arbeit ihres Mannes, der Armenarzt in Berlin war. Sie trat zunächst hervor mit einem Zyklus zu Gerhart Hauptmanns Webern. Am bekanntesten wurde ihre Radierung „Tanz um die Guillotine“ und ihre Holzschnittfolge „Der Krieg“. Später wandte sie sich auch der Plastik zu. Sie starb am 24.04.1945.
Nikolaus Kopernikus
Am 24.05.1543 ist der große Astronom in Frauenburg gestorben und in dem dortigen Dom beigesetzt. Er war in Thorn am 19.02.1473 geboren als Sohn eines Kaufmanns, der aber früh verstarb. Frühzeitig bezog er die Universität Krakau, wo er sich vorwiegend dem Studium der Mathematik widmete. 1496 ist er in Bologna und studiert Rechtswissenschaft, aber auch Mathematik. Sein Oheim, Lukas Watzelrode, Bischof von Ermland, verlieh ihm ein Kanonikat in Frauenburg. Späterhin hat er noch in Padua Medizin studiert. Als er 1505 endgültig in die Heimat zurückkehrte, nahm er zunächst im Heilsberger Schloss Wohnung. Schon hier legte er die Grundlagen zu seinen umstürzenden astronomischen Theorien. Bald lebte er in Frauenburg, bald in Allenstein, wo er den seinem Domkapital gehörigen Landbesitz verwaltete. Auch als Arzt hat er eine ausgebreitete Tätigkeit ausgeübt. 1541 hat ihn Herzog Albrecht nach Königsberg berufen. Sein Hauptinteresse blieb aber die astronomische Forschung. Nur zögernd teilte er auch zunächst nur Freunden die Grundzüge seines heliozentrischen Systems mit. Aber seine Lehre wurde bald in der Gelehrtenwelt bekannt, 1539 kam der Wittenberger Professor Rheticus nach Frauenburg und gab ein Jahr darauf die erste öffentliche Kunde von der neuen Anschauung. Schließlich hat sich Kopernikus selbst entschlossen, sein System vorzustellen. 1543 erschien in Nürnberg das große Werk „de revolutionibus orbium coelestium“. Als man Kopernikus das erste Exemplar überbrachte, lag er im Sterben. Er hatte sein Werk dem Papst Paul III. gewidmet. Lange Zeit nahm man keinen Anstoß an diesen Gedenken. Erst durch Galileis Wirken wurde man auf das ketzerische Wesen dieser Ansichten aufmerksam und setzte das Werk des Kopernikus auf den Index der verbotenen Bücher. Sein Grundgedanke war schon in der Antike bekannt, Kopernikus erhob die Tatsache der Umdrehung der Erde um die Sonne zu einer wissenschaftlichen Gewissheit.
Gustav Kossinna, Vorgeschichtler
Am 28.09.1958 wurde er in Tilsit geboren, einer der bekanntesten Gelehrten auf dem Gebiete der deutschen Archäologie. Er war Schüler Karl Müllenhoffs, der für seine gesamte Lebensarbeit bestimmend wurde. Besonders interessierte ihn die germanische Stammeskunde, zu deren Erforschung er nun in starkem Maße die Bodenfunde heranzog. Er baute diese Methode insbesondere aus und nannte sie Siedlungsarchäologie. Herkunft und Ausbreitung der Germanen stand bald im Mittelpunkt seiner weit ausgedehnten Forschungen. Sein Kampf ging gegen eine Unterschätzung der Germanenkultur auf wissenschaftlichem Gebiet. Wichtig wurden so seine Untersuchungen, denen er auch eine nationale Bedeutung zu geben wusste, und die er in verschiedenen Schriften veröffentlichte. So z. B. in der Arbeit von 1919: „Die deutsche Ostmark, ein Heimatboden der Germanen“. K. hat seine Forschungen keineswegs auf das germanische Gebiet beschränkt, sondern schon frühzeitig auch die Indogermanen in sein Arbeitsgebiet mit einbezogen. So erschien bereits 1909-10 die Arbeit über den Ursprung der Urfinnen und Urindogermanen. 1909 hatte er bereits die Gesellschaft für deutsche Vorgeschichte begründet. Allgemein bekannt wurde seine weit angelegte Zeitschrift “Mannus“. Durch das gesamte Schaffen Kossinnas geht ein einheitlicher Zug: Die Bevorzugung der ostdeutschen Fragen. Am 20.12.1931 starb er in Berlin.
Christian Jacob Kraus
Der 25.08.1807 ist der Todestag des Königsberger Staatwissenschaftlers Christian Jacob Kraus, der 1753 am 27.07. in Osterode/Ostpr. Als Sohn eines Arztes geboren war. In seinen Studienjahren war er ganz in den Bann der Kantschen Philosophie gekommen, und Kant hat auch alles in Bewegung gesetzt, um den jungen Kraus in das Amt zu bringen. Zunächst brachte er ihn in das Keyserlingsksche Haus in Königsberg, damals das geistige Zentrum der Stadt, in dem auch Kant selbst eine überragende Rolle spielte. Kraus wurde dort Hauslehrer, wie es Kant vor Jahren gewesen war. Entscheidende Einflüsse hat Kraus von den großen Göttingern jener Zeit erhalten, als er sich einige Zeit an der Georgia Augusta aufhielt. Inzwischen war es Kant geglückt, Kraus auf eine Königsberger Professur für praktische Philosophie und Kameralwissenschaften zu bringen. Von 1782 bis zu seinem Tode hat er sie bekleidet und einen ungewöhnlichen Einfluss auf seine Studenten ausgeübt. Neben Kant, von dem er sich freilich zunehmend in den Grundanschauungen löste, ohne die hohe Achtung vor dem verehrten Lehrer zu verlieren, war er die beherrschende Gestalt an der Albertina. Vielleicht unter Göttinger Einfluss war ihm die englische Geistesart aufgegangen, Hume und vor allem Adam Smith waren ihm jetzt die Führer geworden. Besonders des Letztgenannten Lehren verkündete er nun vom Katheder und begründete in Königsberg eine Schule der Staatswissenschaften, die ganz unter dem Einfluss des großen englischen liberalen Denkers stand. Aus ganz Deutschland eilten die Hörer herbei. Das wichtigste aber war, dass die junge Generation des Ostpr. Adels und die künftigen Beamten des hohen Verwaltungsdienstes zu seinen Füßen saßen und dort das Rüstzeug erwarben, mit dem sie dereinst berufen waren, das Land zu regieren. So hat die Lehre von Kraus entscheidenden Einfluss auf den Wiederaufbau Preußens nach der Katastrophe von 1806 ausgeübt, nachdem man bereits vorher seine Gedanken in der Verwaltung der neu gewonnenen Gebiete von Südostpreußen zu erproben Gelegenheit genommen hatte: die große Stein-Hardenbergsche Reform trägt in sich manches Element aus Krausschen Ideen.
Graf Georg Hermann Albrecht von Lehndorff
Am 04.12.1833 wurde er in Steinort (Ostpr.) geboren, eine der führenden Persönlichkeiten in Deutschlands Vollblutzucht und Rennsport. Selbst lange Jahre Rennreiter, unterhielt er einen Rennstall, der ihm in einem Jahrzehnt 350 Siege einbrachte. Von 1966 bis 1910 war er Leiter des Hauptgestüts Graditz bei Torgau. 1887 wurde er preußischer Oberlandstallmeister, 1897 Wirklicher Geheimer Rat und Exzellenz. Seine Verdienste liegen vor allem in der Organisation der staatlichen Institutionen für die Pferdezucht. Als Oberlandstallmeister wurde er auch in das Ministerium für Landwirtschaft berufen. Weithin beachtet wurde sein Handbuch für Pferdezüchter. Er starb in Berlin am 30.04.1914. In Hoppegarten hat man ihm ein Denkmal errichtet.
Gotthelf August Freiherr von Maltitz
Am 09.07.1794 in Königsberg geboren, starb er am 07.06.1837 in Dresden. Er widmete sich dem Forstfach und wurde Oberförster in Preußen. Da er in einem Drama „Der alte Student“ (1828) für die Polen sich begeisterte, wies man ihn aus. Er wandte sich nach Hamburg, wo er Redakteur des „Norddeutschen Courier“ wurde. Während der französischen Revolution 1830 ging er nach Paris, kehrte aber bald enttäuscht nach Deutschland zurück. Sein dichterisches Talent war sicherlich nicht gering, aber nicht durchgebildet. Humoristische Darstellungen lagen ihm wohl am besten, doch versuchte er sich auch nicht ohne Erfolg im Drama.
Adalbert Matkowsky
Am 06.12.1858 wurde der Schauspieler in Königsberg/Pr. geboren. Er war ein bedeutender Vertreter seiner Kunst, der Geschichte der Schau- spielkunst für alle Zeiten angehörend. Bereits mit 19 Jahren wurde er für das Fach des jugendlichen Helden und Liebhabers nach Dresden verpflichtet. 1889 kam er nach Berlin, wo er bis zu seinem Tode (16.03.1909) am Königlichen Schauspielhaus blieb. Waren seine Hauptrollen in der Jugend „Don Carlos“, „Karl Moor“, „Max Piccolomini“, so erreichte er in der Spätzeit den Höhepunkt seiner Darstellungskunst im Götz. Matkowsky war ein echt ostpreußisches Temperament, er, Sudermann und Lovis Corinth sind die charakteristischsten Vertreter ostpreußischen Künstlertums ihrer Zeit.
Agnes Miegel
Geboren am 9.03.1879 in Königsberg / Ostpreußen; gestorben am 26.10.1964 in Bad Salzufflen / NRW.
Agnes Miegel blieb das einzige Kind ihrer Eltern, eines niederdeutschen Kaufmannes und seiner um zwanzig Jahre jüngeren Frau, deren Vorfahren zu den Salzburger Glaubensflüchtlingen gehörten, die 1732 von dem Soldatenkönig nach Ostpreußen gerufen wurden, das von der Pest entvölkerte Land wieder unter den Pflug nahmen und es sich zur Heimat eroberten. Agnes wächst in einem großen Kreis von Verwandten und Freunden auf. Der Vater führt die kleine Tochter durch die Stadt Königsberg, die ihr bestes, unerschöpfliches Bilderbuch wird, und teilt sein umfangreiches historisches Wissen mit, die Mutter aber bringt ihr Volkslieder und Gedichte nahe. Als sie fünfzehnjährig für zwei Jahre eine Weimarer Pension besucht, schreibt sie erste Gedichte in ihr Tagebuch, das sie später verbrennt. Aber neue Gedichte entstehen, und 1896 erhält sie ihr erstes Honorar für die naturmagische Ballade "Elfkönig". Früh schon findet Agnes Miegel zu ihrem ganz eigenen Ton, ihrer eigenen Sprache, Gedankenwelt und Art der Gestaltung. Als um die Jahrhundertwende in Berlin Börries von Münchhausen ihre handschriftlichen Gedichte und Balladen liest, erkennt er sogleich: "Dies ist eine der ganz großen Dichterinnen unseres Volkes. Agnes Miegel ist der größte lebende Balladendichter unseres Volkes." So erscheint durch Münchhausens Vermittlung 1901 ihr erstes eigenes Buch, ein Band mit Gedichten und Balladen bei dem ehrwürdigen Klassiker-Verlag Cotta.
Fritz Milkau, Bibliothekar
Am 28.09.1859 ist er in Lötzen geboren, einer der hervorragendsten Vertreter seines Berufes. Er entstammte einer Handwerkerfamilie, studierte in Königsberg, wurde zunächst Lehrer am altstädtischen Gymnasium und trat als Hilfsbibliothekar in die Königsberger Universitätsbibliothek ein. An verschiedenen Bibliotheken war er tätig; für seinen Plan, einen Gesamtkatalog der preußischen Bibliotheken anzulegen, erhielt er einen längeren Urlaub. Vorübergehend war er Referent im Kulturministerium. 1902 wurde er Direktor der Bibliothek in Greifswald, 1907 in Breslau, 1921 Generaldirektor der preußischen Staatsbiliothek. 1925 gründete er, zum Honorarprofessor an der Berliner philosophischen Fakultät ernannt, ein Institut für Bibliothekswissenschaft an der Berliner Universität, das aber nach seinem Tode (23.01.1934) bald einging. Seine besondere Leistung liegt in dem von ihm begründeten Handbuch für Bibliothekswissenschaft.
William Motherby
Am 12.09.1776 wurde er in Königsberg geboren, wie sein Vater zu dem engeren Freundeskreis Immanuel Kants gehörend. Er hatte in Edinburgh promoviert und sich bald um die Einführung der Kuhpockenimpfung Verdienst erworben, war auch mit zwei Schriften zu dieser Frage hervorgetreten. W. Motherby gehörte zu den Persönlichkeiten des damaligen Königsbergs, deren Haus als Mittelpunkt geistiger Geselligkeit galt. Besonders übte seine Frau Johanna eine starke Anziehungskraft aus, so für W. v. Humboldt und E. M. Arndt, lange Zeit währender Briefwechsel ist dafür Zeugnis. Johanna Motherby ließ sich später scheiden und heiratete den bedeutenden Mediziner Dieffenbach. W. Motherby widmete sich allmählich ganz der Landwirtschaft, begründete den ostpreußischen Verein zur Beförderung der Landwirtschaft und war in seinen letzten Lebensjahren dessen Direktor. Er war ein Freund des Pferdefleisches und trat auch mit einer Schrift über die Vorteile seines Genusses sehr für dies Nahrungsmittel ein. In einem Fall wirkt M. bis in die Gegenwart fort. Ein Jahr nach dem Tode Kants gab er die Anregung zu dem Erinnerungsmahl am Geburtstag des Philosophen, an dem sich dessen Tischfreunde alljährlich zu dem „Bohnenmahl“ versammelten. Durch Zuwahl ergänzte sich dieser Kreis ständig bis auf den heutigen Tag, ungehindert durch den Verlust Königsbergs. Heute versammeln sich die Freunde Kants regelmäßig am 22.04. In Göttingen. M. starb am 16.01.1847
Otto Nicolai
Am 11.05.1849 ist der am 09.06.1810 in Königsberg geborene Komponist in Berlin gestorben. Bereits 1833 trat er mit einem Tedeum im Saal der Berliner Singakademie hervor und erntete reichen Beifall. Dieser Erfolg bracht ihm eine Anstellung bei der preußischen Gesandtschaftskapelle in Rom ein. Er nutzte diesen dreijährigen römischen Aufenthalt aus, um sich in den Geist der altitalienischen Kirchenmusik zu vertiefen. Bis 1848 wirkte er als Kapellmeister in Wien, anschließend als Hofkapellmeister in Berlin, wo ihn frühzeitig der Tod hinwegraffte. Sein berühmtestes Werk war die heute noch gern gehörte Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“, die erst nach seinem Tode aufgeführt wurde.
Ludwig Passarge – Schriftsteller
Am 23.01.1894 starb er, der in Wollitnick bei Heiligenbeil am 06.08.1825 geboren wurde. Er war im juristischen Leben seiner Heimat ebenso bekannt, wie als Schriftsteller; eine merkwürdige Parallele zu Ernst Wichert. Bereits 1857 erschien eine Skizzensammlung „Aus dem Weichseldelta“; bekannter wurden seine „Baltischen Novellen“ (1884). Passarge verfügte über ein besonders ausgeprägtes Talent für die Schilderung von landschaftlichen Zuständen. Er trat auch mit Berichten seiner großen Reisen hervor, die ihn nach Norwegen, Spanien und Italien geführt hatten. Er war einer der ersten, die für Henrik Ibsen in Deutschland eintrat.
Julius Rupp, Theologe
Der Begründer der Freien Gemeinde in Königsberg war am 13.08.1809 in dieser Stadt geboren. Nach einem theologischen Studium habilitierte er sich für allgemeine Literaturwissenschaft an der Albertina und entfaltete eine große Tätigkeit. Stärker noch war seine Wirkung in der Deutschen Gesellschaft. Er wurde auch Garnisonprediger. Bald aber kam er in Konflikt mit Kirche und Staat, da er zu einem, an Kent gebildeten, ethischen Rigorismus neigte, den man als staatsgefährdend ansah. Seine Ansichten hatte er erstmalig in einem Vortrag über den christlichen Staat niedergelegt, der ihn um seine Ämter brachte. Es wurde die Freie Gemeinde gegründet, deren Prediger Rupp wurde. Späterhin ist er noch öfters in Konflikt mit der kirchlichen und staatlichen Macht gekommen, man entzog ihm die venia und verhängte Gefängnisstrafen über ihn. Seine literarische Tätigkeit war ganz außerordentlich, auch leitete er verschiedene Zeitschriften. Noch im 20. Jahrhundert hat Eugen Diederichs eine Gesamtausgabe seiner Arbeiten erwirkt. Er starb am 11.07.1884. Seine Enkelin ist Käthe Kollwitz.
Georg Samarow, Schriftsteller
Am 11.05.1829 wurde in Königsberg/Pr. der unter dem Pseudonym Gregor Samarow bekannte Schriftsteller Oskar Meding geboren. Er wurde Verwaltungsjurist zunächst in preußischen, später in hannoverschen Diensten. Mit Miquel und Albrecht schuf er die neue Gewerbeordnung. Er vertrat die welfischen Anschauungen, verließt 1866 auch das Land und hielt sich einige Jahre in Paris auf. Später schloss er mit Preußen Frieden und lebte seit 1873 in Berlin. Hier widmete er sich der Abfassung von Romanen, in denen er die Vorgänge schilderte, die er miterlebt hatte, aber auch Gegenstände aus anderen geschichtlichen Abschnitten behandelte, wie etwa in einem Zyklus von Romanen Teile der russischen Geschichte. Am bekanntesten wurde wohl sein Roman „Saxoborussen“. Interessant sind seine Lebenserinnerungen; auch dies Werk umfasst, wie alle seine Bücher, mehrere Bände. Er starb am 11.06.1903.
Ernst von Saucken- Tarputschen, Politiker
Am 24.08.1791 wurde er auf dem väterlichen Gut im Kreise Darkehmen / Ostpr. Geboren. Er hatte die Freiheitskriege mitgemacht und sich dann der Bewirtschaftung des väterlichen Gutes Tarputschen gewidmet. Frühzeitig aber hatten er und sein Bruder August auf Julienfelde sich der Politik gewidmet. Beide gehörten dem ostpreußischen Landtag an. Ernst von Saucken wurde 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt und war in den folgenden Jahren Mitglied der Ersten und Zweiten Preußischer Kammer. Beide Sauckens gehörten zu den Führern der Liberalen altpreußischer Prägung. Ernst von Saucken ist am 25.04.1854 gestorben.
Max von Schenkendorff
Am 11.12.1783 wurde er in Tilsit geboren. Er studierte in Königsberg, wo er auch als Referendar angestellt wurde. Frühzeitig gewannen romantisch-religiöse Interessen auf ihn Einfluss, vermittelt vor allem durch die Schriften von Novalis und Steffens. Starken Eindruck machten auf ihn Delbrücks Vorlesungen über Ästhetik. In Karlsruhe verheiratete er sich, nahm aber an den Feldzügen von 1813 bis 1815 teil. Danach wurde er in Koblenz Regierungsrat, wo er am 11.12.1817 starb. Seine Freiheitsdichtungen gewannen ihm unzählige Freunde, vor allem auch deshalb, weil der tiefe sittliche und Religiöse Ernst überall fühlbar war. Mit den Romantikern verband ihn eine mystische Sehnsucht nach dem Mittelalter. A. Hagen, der Königsberger, schrieb ihm die Biographie (1863).
Bernhard Schmid, Baumeister
Am 26.09.1872 ist er in Bernburg geboren. Er ist aus der Laufbahn des Regierungsbaufaches hervorgegangen und hatte zuletzt den Rang eines Oberbaurates. Bereits 1895 war er Regierungsbauführer in Marienburg. In jener Zeit hat er sich wohl Erhaltung und Aufbau der Marienburg zu seiner eigentlichen Lebensarbeit erkoren. Seit 1900 ist er dauernd in Marienburg. Seit 1922 trägt er den Titel „Baumeister der Marienburg“, nachdem er längst zum Provinzialkonservator der Provinzen Ost- und Westpreußen ernannt war. Schmid hat seine Tätigkeit an der Marienburg in verschiedenen gewichtigen Arbeiten niedergelegt, sie sind in den Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft erschienen. 1924 verlieh ihm die Königsberger philosophische Fakultät die Würde des Doctors honoris causa; 1941 erhielt er den Herderpreis der Joh.-Wolfgang-Goethe-Stiftung; 1942 wurde er Honorarprofessor an der Philosophischen Fakultät in Königsberg. Am 11.02.1947 ist er in Holstein gestorben. Eine Zusammenfassung seines Lebenswerkes ist das Buch über die Marienburg.
Hermann Settegast, Landwirt
Am 11.08.1908 starb der große ostdeutsche Landwirt. Er war am 30.08.1819 in Königsberg geboren. Die Familie war seit Jahrhunderten in Ostpreußen beheimatet; auf Luthers Wunsch war ein Vorfahr in das Land gekommen. Früh entschloss sich Hermann Settegast, Landwirt zu werden. Sein Lehrherr wurde der eigenwillige Friedrich von Fahrenheid, der nicht nur ein vorzüglicher Tierzüchter, sondern auch ein begeisterter Anhänger der Kantschen Philosophie und ein großer Verehrer der Antike war. In Beynuhnen blieb Settegast neun Jahre und genoß dann, von Fahrenheid unterstützt, eine theoretische Ausbildung in Berlin und Hohenheim. 1847 wurde er Administrator der Kgl. Domäne Proskau bei Oppeln und gleichzeitig Lehrer an der dortigen landwirtschaftlichen Lehranstalt. Hier hat er fast über das ganze Gebiet der Landwirtschaft gelesen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er der besseren Behandlung der Landarbeiter. Eine reiche Tätigkeit entfesselte er in den landwirtschaftlichen Zeitschriften. 1859 wird er Direktor der in Ostpreußen neu ins Leben gerufenen landwirtschaftlichen Akademie Waldau. 1862 kehrt er nach Proskau zurück und übernimmt nun diese Lehranstalt als Direktor. Hier hat er sein grundlegendes Werk über die Tierzucht verfasst, das 1868 erscheint und ganz auf den neuen Darwin'schen Ideen aufgebaut ist; ein Buch, das viele Auflagen erlebte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Das zweite Hauptwerk erschien in den Jahren 1875 – 1879 , es hat den Titel „Die Landwirtschaft und ihr Betrieb“ und vereint die Thaerschen und Liebigschen Ideen. Auch dieses Buch hat eine große Verbreitung gefunden, in ihm liest man das später geflügelte Wort: „Der Landwirt muss rechnen.“ 1881 wird Settegast der erste Professor für Landwirtschaft an der neuen landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin. Hier schrieb er das weit verbreitete Werkchen über den Idealismus und die deutsche Landwirtschaft. Von besonderem Interesse ist seine 1892 erschienene Selbstbiographie. Eine rege Tätigkeit hat Settegast auch als Freimaurer ausgeübt. In Berlin war er Großmeister der Großloge. Sein Buch über die Freimaurer hat sieben Auflagen erlebt.
Arnold Sommerfeld
Am 04.12.1868 ist der bedeutende Physiker in Königsberg geboren. Er war vor allem Schüler des Göttinger Felix Klein, lehrte in Clausthal, Aachen und seit 1905 in der Münchener Universität, wohin in Röntgen empfohlen hatte. Sommerfeld hat weithin wirkende Untersuchungen auf dem Gebiete der Kernphysik unternommen. Er hat geradezu Weltruhm erlangt, als er die Prinzipien der Relativitätstheorie Einsteins auf das Atommodell von Niels Bohr anwandte. Das Ergebnis war für die Erkenntnis des Atomkernaufbaues von grundlegender Bedeutung. Viele Physiker des In- und Auslandes verdanken Sommerfeld ihre Ausbildung; unter seinen Schülern befinden sich manche Nobelpreisträger. Sein bedeutendstes Werk behandelt den Atombau und die Spektrallinien. Am 26.04.1951 kam er durch einen Verkehrsunfall ums Leben.
Hermann Sudermann
Geboren am 30.09.1857 in Matzicken / Ostpreußen; gestorben am 21.11.1928 in Berlin.
Der Sohn eines armen Bierbrauers finanzierte das Studium der Philologie und Geschichte in Königsberg (ab 1875) und Berlin (ab 1877) als Hauslehrer. 1882 wurde er Chefredakteur beim »Deutschen Reichsblatt«. Ab 1883 arbeitete er als freier Mitarbeiter für den »Reichsfreund«. Seit 1897 lebte er in dem später von ihm gekauften Schloss Blankensee in der Mark Brandenburg. Seit der Erstaufführung von »Die Ehre« (1889) bis etwa zur Jahrhundertwende galt er neben Gerhart Hauptmann als führender Dramatiker des deutschen Naturalismus.
J. Thienemann, Naturforscher
Am 12.04.1938 starb er, der im Jahre 1901 die Vogelwarte Rossitten auf der Kurischen Nehrung errichtete. Der Sinn dieser Gründung war das Studium des Vogelfluges. Die Kurische Nehrung eignet sich insofern vorzüglich für diesen Zweck, weil die Vögel bei ihrem sich jährlich zweimal wiederholenden Flug von Nordosteuropa zum Süden an dieser Stelle rasteten. Im Vordergrund der Arbeiten Thienemanns – er stammte aus Thüringen – stand das Problem der Beringung der Vögel. Seit Bestehen der Vogelwarte sind über eine Million Beringungen vorgenommen. Diese Maßnahmen dienen vor allem der Erforschung der „Lebensgeschichten“ einzelner Vogelarten, so besonders des Stares und des Storches. Es gelang Thienemann, die Öffentlichkeit im weitesten Umfang für seine Arbeit zu interessieren, weit über die engere Landesgrenze hinaus. Heute wird sein großes Werk fortgesetzt von Dr. Ernst Schüz in Radolfszell. Dr. Schüz ist gleichzeitig Direktor des Naturkundemuseums in Stuttgart. Th. War am 12.11.1863 geboren.
Zacharias Werner
In Königsberg am 18.11.1768 geboren, studierte er Rechtswissenschaft – er hörte auch bei Kant – und schlug die Beamtenlaufbahn ein, die ihn aber nicht befriedigte. Der Minister Schrötter verschaffte ihm eine Stellung, die es ihm erlaubte, sich ganz seinen literarischen Arbeiten zu widmen. 1806 erschien sein erstes Drama „Das Kreuz an der Ostsee, Teil I: Die Brautnacht“, ein mystisches Schauspiel. In Berlin pflegte er lebhaften Umgang mit Fichte, Iffland, A. W. Schlegel, Joh. Müller und besonders mit der Schauspielerin Bethmann- Unzelmann. Seine Tragödie „Martin Luther oder die Weihe der Kraft“ wurde in Berlin aufgeführt, wie auch Goethe sein Trauerspiel „Wanda“ in Weimar aufführen ließ. Zacharias Werner ist der einzige Dichter der Romantik, der die Aufführung seiner Bühnenwerke erlebte. Frau von Stael interessierte sich für ihn, auch Dalberg und Carl-August von Weimar, die ihn unterstützten. 1811 trat er in Rom zur katholischen Kirche über, wurde Priester und lebte dann in Wien, wo er am 17.01.1823 starb. Später hat man ausgewählte Schriften von ihm in 13 Bänden veröffentlicht. Werner gehörte zu den Naturen, die man in Ostpreußen nicht selten findet und die in schwärmerischer Mystik den Sinn des Lebens glauben gefunden zu haben.
Ernst Wiechert- Schriftsteller
Geboren am 18.05.1887 in Kleinort, Kreis Sensburg / Ostpreußen, gestorben am 24.08.1950 in Uerikon im Kanton Zürich / Schweiz.
Der Ostpreussische Schriftsteller Ernst Wiechert zählt zu den Klassikern der deutschen Literatur in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. In den Jahren ihrer Erstveröffentlichung wurden einige seiner Bücher zu "Bestsellern". Seine Dichtungen, die auch zur Schullektüre gehörten, spielten im kulturellen Leben Deutschlands eine bedeutende Rolle. Auch heute noch wird seine Botschaft verstanden, wie ein Zitat aus Ernst Wiecherts Werken in der Ansprache des Bundespräsidenten Roman Herzog auf dem Staatsakt zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs am 08.05.1995 in Berlin beweist.
Ernst Wichert – Jurist und Schriftsteller
Er stammte aus Insterburg, wo er am 11.08.1831 geboren war. In Königsberg studierte er Rechtswissenschaft und ist Zeit seines Lebens dem Richteramt treu geblieben, von 1863 – 1887 lebte er in Königsberg. Bereits vorher war er als Dramatiker hervorgetreten, besonderen Beifall erntete er als Lustspieldichter. Heute sind noch seine großen historischen Romane „Heinrich von Plauen“ und „Der große Kurfürst“ lebendig, beide Werke umfassen mehrere Bände; sie zeichnen sich durch eine lebhafte Darstellung und weitgehende historische Treue aus. Für das geistige Leben Königsbergs und Ostpreußens ist Wicherts Tätigkeit von besonderer Bedeutung gewesen; lange Jahre gab er mit Rudolf Reicke die altpreußische Monatsschrift heraus, die sich aus den bekannten Preußischen Provinzialblättern entwickelt hatte. Am 21.01.1902 starb er in Berlin.
Michael Willmann, Maler
Am 26.08.1706 starb er im Kloster Leubus, der 1630 in Königsberg geboren war. In seiner Studienzeit genoss er den Einfluß der niederländischen Malerei in bestimmendem Ausmaß. Er war vorübergehend Hofmaler des großen Kurfürsten, trat dann zum Katholizismus über und lebte seit etwa 1661 bis zu seinem Tode im Kloster Leubus, dessen Äbte ihn stark gefördert haben. Mit Recht sieht man in seiner Kunst den Beginn der deutschen Barockmalerei, die er auf ihren Höhepunkt führte. Die vielen Aufträge, die er von Seiten der Klöster und des Adels erhielt, beweisen das hohe Ansehen, das er sich erwarb. In fast allen Zweigen der Malerei hat er sich betätigt, im Porträt, der Landschaft und vor allem in der religiösen Darstellung. Viele Schüler und Helfer hat Willmann um sich versammelt.
Quelle: „Ostdeutsche Biographien“ von Götz von Seele, 1955, Göttinger Arbeitskreis